Freiburg – Mekka für Mountainbiker

Freiburg ist eine Fahrradstadt. Besonders für Mountainbiker ist die Gegend um Freiburg ideal. Das locker-lässige Lebensgefühl der Ex-Trendsportart ist mittlerweile im Herzen der Stadt angekommen. Die freistuz hat sich mit Nachwuchsbiker Max Brandl im Freiburger Biosk getroffen und sich in die MTB-Welt in und um Freiburg einführen lassen.

 

Foto: Andreas Dobslaff / Ego-Promotion

 

Unterwegs auf dem Dreisamradweg aus der Innenstadt Richtung Littenweiler. Da kommen sie einem entgegen, die Rennradfahrer, Mountainbiker, die Hobbyradler mit Gepäckträger und Studierende. Egal ob man morgens auf dem Weg in die Uni ist oder abends kurz vor der Dämmerung nach Hause fährt: Leer ist der Radweg nie. Und unter den Benutzern trifft man immer auch die Sportler, die mit engem Radtrikot auf ihren Carbonrädern den Weg entlangheizen. Maximilian Brandl ist so einer. Der Mountainbiker aus Freiburg fährt im Nationalteam und gehört zum kleinen Kreis der Hoffnungsträger im Cross Country Mountainbikesport. Ich stelle mein Stadtrad ab und treffe mich mit ihm am Biosk nahe der alten Stadthalle in Littenweiler, das besonders in der Freiburger Mountainbikeszene populär ist. Max ist schon da, er wartet neben seinem Rennrad. Sein Training hat er gerade beendet und belohnt sich jetzt mit einem Espresso. Der 19-jährige Biologiestudent ist im vergangenen Jahr nach Freiburg gezogen, um näher an seinem Kirchzartener Team zu sein und um sich optimal auf seine sportliche Entwicklung konzentrieren zu können. Max‘ Disziplin Cross Country ist eine Mischform aus Downhill und Marathon und seit 1996 auch olympisch. „Wir fahren einen etwa vier Kilometer langen Kurs meistens fünf Runden lang, sodass wir auf eine Renndauer von etwa 80 Minuten kommen“, erklärt er mir.

 

In der Strecke enthalten sind steile Aufstiege und technisch anspruchsvolle Abfahrten, die Koordination, Kraft und Konzentration der Fahrer permanent beanspruchen. Auch deshalb werden die Sieger der Saison im Winter gemacht, wie es unter Radfahrern heißt, wenn man noch drei Stunden auf dem Rennrad zu fahren hat – bei fünf Grad und Schneeregen. Denn im Winter besteht das Training nicht aus ein paar lustigen MTB-Touren am Wochenende. „Die Grundlagenausdauer holen wir uns durch lange Rennradeinheiten, drei Tage hintereinander. Dazu werden dann im Kraftraum Gewichte gestemmt und durch Jonglieren, Balancieren auf einem Gymnastikball oder anderen Übungen die Koordination für die Abfahrten trainiert“, erklärt mir Max. Auch heute kam er von einer Rennradeinheit. In mehreren Trainingslagern auf Mallorca oder Gran Canaria hole man sich dann den Feinschliff für die Saison, die im März mit den ersten Wettkämpfen starte.In diesem Winter konnte Max Brandl auf eine professionelle Vorbereitung durch den Olympiastützpunkt Freiburg und den Bundestrainer vertrauen. Ermöglicht wurde ihm das, weil er seit 2014 im Nationalteam erfolgreich ist. Allein in der Saison 2015 wurde er Deutscher Meister, Staffel-Europameister, EM-Dritter und Vize-Weltmeister.

„In diesem Jahr habe ich mein Abi gemacht und mich dann entschlossen nach Freiburg zu ziehen“, erzählt der gebürtige Schwabe. In der Saison 2016, inzwischen aufgestiegen in die höhere Altersklasse U23, konnte er sich in der Weltrangliste weiter verbessern und beim letzten Weltcup in den Pyrenäen in Andorra den vierten Platz einfahren. Darauf angesprochen grinst Max leicht verlegen: „Dieser vierte Platz war ein großes Highlight meiner Karriere. Ich hätte nicht damit gerechnet, obwohl ich wusste, dass mir die Strecke in der Höhenlage liegt“. Dass er nebenher noch Biologie studiert, findet Max wichtig. Zwar können einige vom MTB-Profi-Dasein leben, für ihn sei es aber wichtig, „noch einen Plan B zu haben“. Sein Biologiestudium kann Max strecken. „Mit Hilfe des Laufbahnberaters am Olympiastützpunkt habe ich einen guten Kontakt zu meiner Studienkoordinatorin herstellen können, die meine Situation kennt und mein Studium mit mir individuell organisiert. Ansonsten gelten für mich dieselben Regeln wie für andere Studierende“, schildert der Drittsemester. Nur bei der Belegung der Praktika, die meist in den Semesterferien geplant sind, darf er mehr Schieben als seine Kommilitonen.  „Da die Uni Freiburg kein Sportlerprogramm hat wie zum Beispiel die FH Furtwangen, braucht es trotzdem noch viel Disziplin, Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bringen“, so Max. Sportlich profitiert er in Freiburg nicht nur von der Nähe zu seinem Team. Auch das Klima in der Stadt ist Mountainbikern gegenüber wohlgesinnt; nicht selbstverständlich in Baden-Württemberg.

Freiburg gilt als Mountainbike-Paradies

Denn als einziges Bundesland verbietet hier das Gesetz, Waldwege unter zwei Metern Breite mit dem Rad zu befahren. Es entzieht Mountainbikern wie Max Brandl die Trainingsgrundlage. Anderswo in Baden-Württemberg kam es bereits zu gefährlichen Angriffen auf Mountainbiker, so wurde beispielsweise auf der Weltcup-Strecke in Albstadt in einer schnellen Abfahrt auf Kopfhöhe ein Drahtseil gespannt.

Max Brandl macht in Freiburg glücklicherweise ganz andere Erfahrungen: „Klar trifft man ab und zu auf Unverständnis wenn man Wanderern auf Trails begegnet, aber im Großen und Ganzen geht man freundlich und respektvoll miteinander um.”Mountainbiken ist in Freiburg in der Gesellschaft angekommen, und zwar nicht nur in Form der vielen Mountainbike-Fachgeschäfte. Der Mountainbike e.V., gegründet zur Legalisierung der Downhill-Strecke Borderline mit Start beim Rosskopf, umfasst mittlerweile rund 800 Mitglieder. Hinzugekommen ist seit 2015 ein weiterer Trail, der Canadian Trail. Er führt vom Kybfelsen zur Sternwaldwiese. Die Mitglieder fahren nicht nur gemeinsam Rad, sondern kümmern sich in Arbeitsgruppen um die Instanthaltung der Single Trails. Hinweisschilder warnen an Wegkreuzungen Fußgänger vor schnellen Mountainbikern und weisen im Gegenzug ausschließlich für Wanderer zugängliche Wege aus. Die Anziehungskraft der beiden angelegten Downhill-Strecken ist groß. Bereits alle namhaften deutschen Mountainbike-Magazine berichteten über die Borderline und den Canadian Trail, die von eigens eingeflogenen, kanadischen Trailbauern entworfen und mithilfe zahlreicher Freiwilliger in den Wald gebaut wurde. Eine deutschlandweit einzigartige Kooperation.

 

 

Drei MTB-Olympioniken sind in Freiburg zu Hause

Die Vorteile der angelegten Trails kennt auch Max Brandl. Besonders gerne fährt er die oberen Sektionen des Canadian Trail. „Wenn wir ein intensives MTB Training auf dem Trainingsplan stehen haben, dann fahren wir die Schaukel“, sagt Max und deutet zu den Windrädern auf dem Rosskopf. „Hoch auf den Rossi, dann die anspruchsvollere Borderline runter nach Freiburg, dann auf den Kybfelsen und beim Abfahren nehmen wir die Sektionen des Canadian Trails mit. Da kommen einige Höhenmeter zusammen und man hat zwei geile Abfahrten dabei.“

Diese guten Bedingungen tragen auch Früchte. Freiburg gilt als das Herz des deutschen Mountainbikesports, im Breiten-, aber auch im Leistungssport. Moritz Milatz und Helen Grobert, beides Freiburger*innen, waren zwei der vier deutschen Teilnehmer*innen bei den olympischen Rennen in Rio 2016. Auch die Freiburgerin Adelheid Morath hatte die Olympianorm geschafft. Fünf der zwölf Plätze im Profi-Nationalkader werden 2017 von Freiburger*innen besetzt. Und die Verbliebenen kommen zu Leistungstests oder Kadermaßnahmen in die Fahrradstadt. Der Olympiastützpunkt und das Radlabor verfügen über modernste Technik, wie etwa ein Laufband, mit dem Strecken simuliert werden können und von dem weltweit nur zwei Stück existieren.

Der Höhepunkt der Freiburger Mountainbike-Kultur wird wohl am Wochenende des 22./23. April erreicht. Beim Bikefestival Freiburg des Mountainbike e.V. kommen Bergradfahrer*innen aus nah und fern zusammen um ihrem Hobby zu fröhnen. Wer die Freiburger Profis Moritz Milatz, Helen Grobert, Max Brandl und Co. in Aktion sehen will, sollte sich den 28. Mai (Weltcup in Albstadt) und den 16. September (Int. MTB Bundesliga in Titisee-Neustadt) rot im Kalender anstreichen.